MIRIMOOD #1

 

Heute ist Sonntag, ein grauer und meine-Scheiben-glasig-machender-Sonntag an dem man nicht weiß ob man gerade aufgestanden ist oder sich doch erst eben bettfertig gemacht hat, so undeutlich verschwimmt diese Suppe zum Einerlei von Gedanken, und Taten werden auf einmal zu Optionen. Hört sich negativ an? Im Gegenteil, denn Pessimismus ist hier genauso fehl am Platz wie Euphorie, die manchmal unter der Oberfläche wächst, brodelt, um sich dann zum Schluss über sich selbst und ihre unmittelbare Nähe zu ergießen. Nennen wir ihn doch den Sonntag mit Subtext, einen mit großer Vorausschau, denn genau das ist er glaube ich gerade für mich, eine Vorankündigung an mich selbst, eine kleine Vision von dem was ich gerade schon tue: Schreiben, suchen, mich verirren, finden. Und irgendwie auch alles zur gleichen Zeit.

Ich weiss nicht wem von Euch es schonmal so gegangen ist, dass man an einem Ort sitzt und wenn man zurückblickt fällt einem auf, dass man genau hierhin wollte, dass man eigentlich genau das bekommen hat was man wollte, manches vielleicht über verschlungenere Pfade und nicht die breite Schnellstraße die immer geradeaus führt, manches vielleicht auch gar nicht beabsichtigt, viel später oder man kann sich an den Wunsch danach überhaupt nicht mehr erinnern, aber wenn man sich selbst zuhört, wozu leider oft keine Zeit ist oder wovor man auch Angst haben kann, findet man ab und an kleine Leuchten an den Gabelungen seiner Gedankengänge die auf einmal anfangen zu glimmen und man muss schmunzeln. Weil vieles oft unaufgeregt erscheint, so als würde alles in gleichmäßigen Strömen laufen und sich nichts ändern oder vorwärtsbewegen. Dabei bewegt sich alles, ständig. Auch du. Und ich. Wir bewegen uns gerade eben, während du diesen Text liest.

Ich habe gemerkt, dass das oft nur die halbe Wahrheit ist, dass man sich oft mit der eigenen Ungeduld selbst im Weg steht und manche Gedanken und zuviel Gefühle eine Situation eher verbauen als öffnen können. Wenn wir mehr loslassen könnten, manches zumindest, würden wir merken, dass es uns wahrscheinlich an genau denselben Platz von ganz allein führt, denn unterbewusst handeln wir schon ganz vollkommen und gut und können uns selbst auch vertrauen. Wir sollten unser "Ändern" denken und unser "Denken" fühlen. Die meisten Dinge verhalten sich wenn man ehrlich ist nicht passend zu den Maßstäben die wir ihnen zuteilen und haben schon gar nicht die Absicht uns sofort und ohne Umschweife zufriedenzustellen oder überhaupt zu passieren. Wer hat jemals auf Anhieb und dann immer wieder die Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen geholt? Wenige. Ich nicht. Das hat mir die Chance gegeben an mir zu arbeiten und mir gezeigt dass es immer Luft nach oben gibt. Oder nach unten. Aber selbst wenn du in deinen Augen einen Schritt zurück machst, bist du ihn dennoch gegangen.

Erfolge sind selten geradlinig. Ich tue Dinge weil sie sich in Momenten als großartig anfühlen und immerwährende Kontrolle den Umwegen keine Chance lässt und sie im Keim erstickt. Das einzige was ich weiss ist dass es mich freudig macht, wenn ich weiss dass Situationen und Menschen schon im Kern Überraschungen in sich tragen, dass sie bereit sind für mich, wenn ich es auch für sie bin. Natürlich entpuppt sich manches als Einbahnstraße, als Enttäuschung oder nur als maskierter Erfolg. Veränderungen können hart sein, sehr bitter, dich und andere verletzen. Ich bin mir oft selbst nicht genug. Wenn man sich traut diesem Gefühl Raum zu geben, sich nicht gegen alles zu wehren versucht und es auch mal eine Weile mit sich selbst aushält (und das ist echt oft der schwerste Teil), blickt man danach nach oben/draussen/vorne (beliebig wählbar, ich blicke oft durch mein Fenster :) ) und sieht:

 Man darf ruhig Erwartungen haben. Und Rückschritte machen.

 Vielleicht ist heute auch ein mutiger Sonntag.

5 Erkenntnisse, die nicht so sind wie erwartet, aber trotzdem wertvoll und richtig

  • In der gleichen Stadt zu wohnen muss nicht zwingend mehr Nähe bedeuten.
  • Auch Freundschaften brauchen vielleicht mal eine Pause.
  •  Heimat kann manchmal ein neuer Ort werden.
  •  Der Punkt an dem man "erwachsen" ist und alles nach Plan läuft und bleibt kommt vielleicht nie.
  •  Jetzt ist wirklich der einzige Moment der immer da ist.